Content dank Crowdfunding – das Prinzip „3meter5.de“

André Voigt ist Gründer und Chefredakteur des Basketball-Fachmagazins „FIVE“, Autor der beliebten „Planet Basketball“-Reihe und betreibt seit fast sieben Jahren den erfolgreichen Basketball-Podcast „Got Nexxt“. 2014 wagte er den Schritt, sein Basketball-Portal 3meter5.de per Crowdfunding zumindest teilweise zum Bezahlangebot zu machen. Ein Baustein ist dabei die Plattform Patreon, die in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt. Im Interview spricht Voigt über sein Geschäftsmodell, den Basketball als Nischensport und seine Einschätzung der Zukunft.

Von kostenfreien Inhalten zur Paywall

Medienfrage: „Zu Beginn gleich eine These: Sie haben sich mit dem Podcast einen Stamm an potenziellen Kunden aufgebaut, den sie jetzt nutzen. Kann man das so stehen lassen?“

André Voigt: „Klar, der Stamm an Hörern war da, und dass man die nutzen wollte war natürlich der Plan. Ich habe jetzt aber nicht den Podcast gestartet um ihn nur dann verfügbar zu machen, wenn man zahlt.“Durch Crowdfunding finanziert: 3meter5.de und der Got Nexxt-Podcast

Medienfrage: „Sie nutzen ja nicht nur Patreon zum Crowdfunding, man kann euch auch per Dauerauftrag unterstützen. Reicht das überhaupt, um 3meter5 so in dem Umfang anzubieten?“

André Voigt: „Viele sind von Patreon zum Dauerauftrag gewechselt, weil gerade bei kleinen Beträgen kaum noch etwas übrig bleibt für uns. Da verdienen ja noch der Zahlungsvermittler und Patreon etwas daran, das ist dann schon ein bisschen schade. Bei größeren Beiträgen macht das aber nichts. Die Jungs, die bei uns was beitragen, seien es Texte oder Auftritte in der Show, kriegen natürlich Geld dafür. Streng genommen ist es wahrscheinlich etwas zu wenig für den Aufwand, den wir betreiben. Da können wir als Einzelpersonen auch nicht davon leben. Das war aber auch nie der Anspruch. Es sollten Dinge möglich sein, wie zum Beispiel Reisen zu Spielen in Nordamerika, die vorher nicht drin waren. Ich muss aber sagen, dass ich damit vollkommen zufrieden bin.“

Unter Anderem auf der Crowdfunding-Plattform "Patreon" ruft André Voigt zum Unterstützen auf.

Unter Anderem auf der Crowdfunding Plattform „Patreon“ ruft André Voigt zum Unterstützen auf.

Belohnungen für Unterstützer

Medienfrage: „Die Belohnungen, die Sie Ihren Unterstützern geben, reichen je nach Höhe des monatlichen Betrags von Aufklebern über T-Shirts bis hin zu Geschenkpaketen. Das klingt nach hohem Aufwand, wie bewerkstelligen Sie das?“

André Voigt: „Die Prämien gibt es einmal im Jahr nach der Saison, das ist schon streßig. Das ist aber gar nicht das Problem. Das Problem ist eher, dass ich noch einen richtigen Job habe und den auch noch machen muss. Ich habe das Glück als Chefredakteur der FIVE einen sehr ähnlichen Job zu haben, weswegen ich nicht alles neu recherchieren muss. Ich arbeite aber schon 60-65 Stunden pro Woche, da schaltet man nie so richtig ab.“

Crowdfunding als Chance im Nischenjournalismus

Medienfrage: „Zu 3meter5 tragen auch freie Journalisten Texte bei. Für diese freien Journalisten, die mit dem Basketball eher eine Nische bedienen, bieten Sie tolle Chancen. Wie sehen Sie das Projekt in der Zukunft?“

André Voigt: „Das war auch von Anfang an mein Anliegen. Wenn du über Basketball schreiben willst als freier Journalist hast du eigentlich keine Chance, du kriegst einfach nicht die Aufträge. Die Jungs, die bei 3meter5 schreiben, müssen aber auch ihr Geld verdienen und suchen Jobs bei denen sie perspektivisch Vollzeit arbeiten können. Dass das nicht bei 3meter5 ist wissen die Jungs auch, das weiß ich natürlich auch. Es wird nie so wachsen, dass ich jemanden Vollzeit einstellen kann. So sehr bin ich auch Realist, von daher muss man vorsichtig sein, wie man die Jungs einspannt und was man erwartet.“

Medienfrage: „Haben Sie anfangs gedacht, dass das Projekt einmal so gut läuft?“

André Voigt: „So wie es jetzt läuft habe ich das nicht erwartet. Knapp ein Viertel der Zuhörer unterstützen uns auch im Crowdfunding, die Quote ist unfassbar. So viele Unterstützer sind ein Riesenerfolg. Ich war kürzlich in Hamburg auf dem Traction Day, die waren von den Socken als sie meine Unterstützerzahl gehört haben. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie wir jetzt arbeiten. Mir war auch klar, dass wir fließend neue Ideen entwickeln müssen, weil wir in einem sehr schnellen Medium unterwegs sind. Aber den finanziellen Erfolg hätte ich nicht erwartet, wenn ich ehrlich bin.“

„Freemium“-Podcasts

Medienfrage: „Welche Inhalte bei euch sind exklusiv für Unterstützer, und was gibt es kostenlos für alle?“

André Voigt: „Die Show Montags und Freitags sind kostenlos. Das war mir auch wichtig, weil so einerseits die Hörer auch zum Premium-Podcast hingezogen werden, andererseits weil ich auch nicht völlig hinter einer Paywall verschwinden wollte. Es gibt Leute die sich noch nicht so gut auskennen, die trotzdem etwas über Basketball erfahren wollen. Die möchten wir natürlich auch mitnehmen. Aber auch im regulären Podcast kommt der Hinweis, dass die kostenlosen Podcasts nur möglich sind, weil es die Crowdfunding-Aktion gab. Es gibt aber auch Premium-Podcasts nur für Unterstützer. Die Idee war nicht, Hörer zu Unterstützern zu machen. Es ging mehr darum den freien Journalisten die Chance zu geben, über das zu schreiben, was ihre Passion ist.“

Verständnis für die Paywall

Medienfrage: „Zum Abschluss: vom Freizeitprojekt zum meistgehörten Basketball-Podcast in Deutschland. War es ein langer Weg?“

André Voigt: „Im Fußball zum Beispiel könnte ich das, was ich über Basketball mache, nicht machen. Da gibt es eine Menge Seiten, die das anbieten. Als wir damals angefangen haben waren wir noch die Ersten. Da war es noch hochgradig amateurhaft wie wir ins Mikrofon gehustet haben. Wir hatten inhaltlich eine gewisse Qualität und haben über Jahre Einsatz gezeigt, das haben die Leute zu honorieren verstanden. Und ich glaube, dass das auch die Chance der Nische ist und dass es langsam auch ein bisschen Verständnis dafür gibt, dass guter Content auch kostet.“

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*