Crowdfunding im Journalismus

Digitale Magazine, Video-Channel oder private Radiosender: Crowdfunding im Journalismus bietet Journalisten neue Wege, um ihre Arbeit zu vermarkten. Im Online-Bereich bieten sich viele Möglichkeiten, um selbst zum Gründer zu werden und seine Texte oder Videos eigenhändig zu veröffentlichen.

Crowdfunding im Journalismus Crowdfunding bietet im Journalismus viele Möglichkeiten: zum Beispiel die Finanzierung einer Website oder Recherchereisen.

Wie funktioniert Crowdfunding?

Die Idee des Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt, stammt aus den USA. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen „crowd“, was Menschenmenge bedeutet. „Funding“ heißt übersetzt Finanzierung. Bei dieser Idee finanziert die Gemeinschaft ein Projekt. Dadurch können auch teure Projekte realisiert werden, wenn der Gründer nicht genügend Eigenkapital besitzt. Die Geldgeber suchen selbst aus, wie viel Geld sie den Gründern zukommen lassen möchten. Wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, bekommen die Geber ihr Geld zurück. Wird die benötigte Summe erreicht, startet das Projekt.

Die Anzahl der durch Crowdfunding finanzierten Projekte ist in den letzten Jahren stark gestiegen.

Die Anzahl der durch Crowdfunding finanzierten Projekte ist in den letzten Jahren stark gestiegen.

Die Geldgeber erhalten als Dankeschön für ihre Unterstützung je nach Finanzierungsmodell Einladungen, ein kostenloses Exemplar des Produkts oder Geschäftsanteile.
In den letzten vier Jahren ist in Deutschland die Anzahl der so finanzierten Projekte von 172 auf 2.917 gestiegen. Die Erfolgsquote der Projekte lag 2014 bei 62 Prozent.
Ein bekanntes Beispiel ist der Film „Stromberg“, für den im Dezember 2011 innerhalb einer Woche eine Million Euro zusammenkam. Auch Hersteller von Smartwatches oder Computerspiele-Entwickler haben auf diese Methode zurückgegriffen, für virtuelle Projekte ist sie ebenso beliebt. Crowdfunding im Journalismus bietet Redakteuren neue Möglichkeiten, ihre Arbeit zu veröffentlichen.

Crowdfunding konkret: Das Magazin „deine-korrespondetin.de“

Pauline Tillmann (32) wurde selbst zur Gründerin. Die Journalistin hat Mitte Februar 2015 ein 30-tägiges Crowdfundingprojekt gestartet, mit dessen Hilfe sie ein Online-Magazin gründen wollte. Sie ging von einer benötigten Summe von 5.000 Euro aus, die in diesem Zeitraum sogar übertroffen wurde. Am Ende der Finanzierungszeit haben sich 6.555 Euro angesammelt, dadurch konnte die Website „deine-korrespondentin.de“ starten, im Mai ging diese dann online.

Das Projekt richtet seinen inhaltlichen Schwerpunkt auf Frauen. Acht Journalistinnen haben sich zusammengeschlossen und berichten aus aller Welt „von Frauen für Frauen“, erklärt Pauline Tillmann das Konzept. Mit ihrem Online-Magazin hat sie eine Nische im vorhandenen Angebot gefunden. „Ich finde es wahnsinnig wichtig, etwas zu machen und nicht nur zu reden“, beschreibt Tillmann ihre Motivation zur Gründung. Im Herbst 2014 war sie auf Recherchereise in den USA und holte sich dort Inspiration für neue Ideen im Journalismus. Während ihres Aufenthaltes wurde sie darauf aufmerksam, dass in Amerika das „goldene Zeitalter des Journalismus“ gestartet war, Nischenmedien und Start-Ups waren erfolgreich. Diese Erkenntnis veranlasste sie zur Gründung des Magazins.
Das Crowdfunding beschreibt sie als „Anschubfinanzierung“. Verwendet wurde das Geld für einen Webdesigner, der sich um die Homepage kümmerte und als Honorar für die Korrespondentinnen.

Crowdfunding im Journalismus ist nicht auf die Gründung einer Homepage beschränkt. Auch bei Recherchen ist die Methode erfolgreich. Pauline Tillmann hat im Frühjahr 2013 Geld gesammelt, um für eine Recherche nach Tibet zu reisen. Dort wollte sie mehr über die Selbstverbrennung der Tibeter herausfinden. Die benötigten 3.500 Euro kamen zusammen und die Journalistin konnte die Reise antreten.

Sichert Crowdfunding im Journalismus Projekte langfristig?

In den meisten Fällen ist das Crowdfunding nur eine Starthilfe bei der Finanzierung. Sobald das Geld aufgebraucht ist, muss sich das Medium selbst über Wasser halten. Dies gestaltet sich für Onlinemedien schwerer, da ihre Reichweite geringer ist als im Printbereich. 2014 hatten Printmedien eine Reichweite von 61,7 Prozent, der Onlinebereich lag bei 27,6 Prozent. Damit die Plattformen trotzdem weiterhin betrieben werden können, haben manche Zeitungen oder Zeitschriften eine Bezahlschranke eingeführt. Ein Beispiel hierfür ist die Seite „krautreporter.de“. Ursprünglich handelte es sich um eine Plattform für Crowdfunding. Im Sommer 2014 ermöglichten 15.000 Menschen, die gemeinsam über 900.000 Euro zur Verfügung gestellt hatten, ein gleichnamiges Magazin mit journalistischem Inhalt. Am Anfang waren die Beiträge kostenlos lesbar. Nach einem Jahr haben die Geschäftsführer das Modell umgeändert, so dass nur noch angemeldete, zahlende Benutzer die Beiträge sehen können.

Allerdings bietet sich wie bei Pauline Tillmann auch die Möglichkeit, einzelne Recherchen von der Crowd finanzieren zu lassen. Die Seite „WriteThatDown.de“, ein Projekt von „krautreporter.de“, hat sich auf die Finanzierung von journalistischen Projekten spezialisiert. Die eingereichten Projekte stammen alle von professionellen Journalisten. Hier wurden schon Erklärvideos zu politischen Themen, Reisen nach Brasilien und Guinea sowie eine Webdoku ermöglicht.

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