Die Entwicklung des Journalismus

Von der Schreibmaschine bis zum World Wide Web - die Entwicklung des Journalismus (Quelle: Pixabay)

Von überall her erklingen Klagelaute: die Entwicklung des Journalismus wandelte sich zu schnell, alles wäre anders und Früher war es doch sowieso viel besser. Aber was war denn Früher? Und wie verlief die Entstehung der Nachrichtenvermittlung bis zur heutigen Form?

Europa als die Wiege der Publizistik

Abgeleitet vom dem französischem Wort für Tag („jour“), kam der Begriff das erste Mal infolge der Französischen Revolution in Gebrauch. Grundpfeiler für den Journalismus,  unter anderem das Recht der freien Meinungsäußerung, wurden gelegt. Die gedruckte Presse, die sich ab diesem Zeitpunkt zu einem Forum der Meinungsbildung entwickelte, wurde im 19. Jahrhundert auch in anderen europäischen Ländern heimisch

Vier Phasen der Entwicklung des Journalismus

Wenn man Journalismus mit eigenen Normen wie Objektivität und Neutralität betrachtet, kann man sie auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datieren. Andere sehen die „Geburt“ des Journalisten in Deutschland im 18. Jahrhundert und bringen sie mit der Aufklärung bzw. mit der Blüte des Zeitschriftenwesens in Zusammenhang. In beiden Fällen wird aber höchstens am Rande erwähnt, dass journalistische Aufgaben wie das gezielte Beschaffen und Bearbeiten von Nachrichten viel älter sind. So kann dementsprechend, ausgehend von Grundfunktionen, die Berufsgeschichte eingeteilt werden in den

  • „präjournalistischen“ Anfang der Journalistik
  • „korrespondierenden“ Journalismus
  • „Meinungsjournalismus“
  • „schriftstellerischer“ Journalismus

Die Anfänge durch den Handel

Der Bedarf an Nachrichten wuchs in der frühen Neuzeit mit den Entdeckungsreisen und der Ausbreitung der Handelsbeziehungen. Große Handelshäuser pflegten einen umfangreichen Briefwechsel mit ihren Niederlassungen. Vom Augsburger Handelshaus der Fugger sind beispielsweise geschriebene Nachrichten aus den Jahren 1568–1605 überliefert, die sogenannten Fugger-Zeitungen. Überdies bediente man sich bezahlter Zeitungsschreiber und Novellanten, wie es sie im 16. Jahrhundert zuerst in Venedig gab oder den französischen Nouvelles à la main.

Ein korrespondierender Journalismus entsteht

Die entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung des Journalismus in Europa war Mitte des 15. Jahrhunderts die Erfindung der Drucktechnik durch Johannes Gutenberg. Erst damit wurde die Möglichkeit geschaffen, Botschaften in großer Zahl zu vervielfältigen und zu verbreiten. Sehr bald ging man in Deutschland und an anderen Orten in Europa dazu über, damit auch Nachrichten zu drucken. In Deutschland hießen sie zum Beispiel Newe Zeytungen, in den Niederlanden Couranten, oder in Frankreich Canards. Die Drucker bekamen diese Nachrichten von Korrespondenten geliefert, die sich an Orten aufhielten, an denen wichtige Ereignisse stattfanden oder viele Informationen von anderswoher eingingen. Diese Korrespondenten, die in drei Gruppen aufzuteilen waren (Beamten und Gesandte, Handelsfirmenvertreter und Gelehrte) erfüllten also quasi eine journalistische Funktion, was den Begriff eines „korrespondierenden Journalismus“ rechtfertigt.

Ein Jahrhundert später löste die erste periodisch, in regelmäßigen Intervallen erscheinende Zeitung -und somit das erste Massenmedium der Neuzeit –  die  Newe Zeytung und ihre europäischen Komparsen ab. Inhaltlich hatten die Zeitungen des 17. Jahrhunderts allerdings keinerlei Meinungsartikel, es waren bl0ße, nüchtern abgefasste Berichte. Die Leserschaft sollte von keiner persönlichen Ansicht des Schreibers beeinflusst werden.

Entstehung des Meinungsjournalismus

Anfang des 18. Jahrhundert begann sich in Europa die Entwicklung des Journalismus zu wandeln. Zuerst geschah dies in England, Gründe dafür waren unter anderem die dort entstandenen Pressefreiheit aufgrund der Aufhebung des Printing Act. Daraus folgte ein enormer Anstieg an Zeitungen in England, in der sich Schreiber auch mehr Freiheiten erlauben konnten. Sie mussten sich nicht auf nüchterne Berichte beschränken, sondern konnten auch kritische Artikel liefern und Stellung nehmen. Autonom war der Journalismus jedoch noch nicht, da viele Zeitungen von Parteien zu Propagandazwecken mitfinanziert wurden.

In Frankreich explodierte der Meinungsjournalismus und die Presse nach dem Ausbruch der Französischen Revolution, die Zahl der Presseorgane in Paris ging binnen kürzester Zeit ins Hunderte.

Der schriftstellerische Journalismus

Nicht mehr nur die Nachricht stand im Zentrum der journalistischen Tätigkeit, sondern deren Einbau in größere Schilderungen oder Erörterungen. Viele Autoren versuchten im 18. Jahrhundert im aufblühenden Zeitschriftenwesen Fuß zu fassen. Für manche blieb dies lediglich ein Nebenberuf, den sie zusätzlich zu einer anderen (Haupt-)Tätigkeit ausübten. Andere versuchten sich ausschließlich über den literarischen Markt als freie Schriftsteller.

Professionalisierung legte den Grundstein

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts professionalisierte sich der europäische Journalismus. Allein der Bedarf an Journalisten nahm zu, weil die Presse in mehrfacher Hinsicht expandierte. Zeitungen wurden größer, Inhalte vielfältiger und freier. Mit der Ausdifferenzierung des Zeitungsinhalts ging zudem eine Spezialisierung im Journalistenberuf einher. Dazu trugen vor allem Innovationen wie der Rotationsdruck in der Drucktechnik bei. Redaktionen entstanden, die erstmals eigenständig Medieninhalte beschafften, bearbeiteten und koordinierten. Darauf folgten weitere wichtige neue Technologien in der Mediengeschichte wie die Telegrafie im 19. Jahrhundert, des Hörfunks um 1920 und des Fernsehens um 1950.

Anfang der 1990er Jahre nahm schließlich das Internet und der Online-Journalismus einen großen Teil des Arbeitsfeldes ein und verursachte einen bis heute andauernden Wandel des Journalismus.

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