Freier Journalist – auf in die Selbstständigkeit!

Medien machen Spaß, sind angesagt, abwechslungsreich und spannend. Das glauben viele und möchten deshalb in der Branche arbeiten. Die Realität sieht jedoch weniger rosig aus. Es sind nicht genügend Jobs für alle da, die „halt irgendwas mit Medien“ machen wollen. Das zwingt einige in die Selbstständigkeit. Andere wiederum werden bewusst freier Journalist. Egal welche Gründe zu dem Entschluss führen – ohne Fleiß und Selbstdisziplin endet der Weg schnell in einer Sackgasse.

Freier Journalist Symbolbild Arbeit am Computer - Foto: Pixabay

Die eierlegende Wollmilchsau

Ein freier Journalist bildet sozusagen eine „Einmannfirma“. Buchhaltung, Einkauf, Verkauf, Controlling, kreativer Kopf – alles in einem. Aber seien wir mal ehrlich. Wer behält da noch den Durchblick? Ein strukturierter Businessplan kann hierbei sehr hilfreich sein. Er bildet den Leitfaden für alle relevanten Fragen.

Beim Thema Steuern sollte jeder Freelancer einen guten Berater an der Hand haben, denn da gibt es so einiges zu beachten. Weitere gute Anlaufstellen sind natürlich immer Behörden und Verbände, wie die Arbeitsagentur oder der Deutsche Journalisten-Verband (DJV).

Karin Wild (43), freie Journalistin und Autorin, Freier Journalist

Karin Wild (43), freie Journalistin und Autorin – www.karin-wild.de / Foto: D. Brandscher

Aber auch die Familie kann einem gut mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie Karin Wild weiß. Seit knapp 20 Jahren ist sie freie Journalistin und kennt die Hürden eines Freiberuflers. Die 43-Jährige kann zum Glück auf einen guten familiären Rückhalt zurückgreifen. Ohne ihn hätte sie den Sprung in die Selbstständigkeit vermutlich nie gewagt. Schon allein wegen des finanziellen Risikos.

Was uns zur zweiten Auslegung der eierlegenden Wollmilchsau bringt. Selbst ein freier Journalist kann nicht von der Hand in den Mund leben. Deshalb müssen „Brotjobs“ her. Nur Arbeiten erledigen, die einem gefallen und Spaß machen, das geht leider nicht. „Ich habe noch nie einen Auftrag abgelehnt. Wenn es sein muss, dann lege ich eben eine Nachtschicht ein“, erklärt Wild.

Dennoch ist es unheimlich wichtig sich zu spezialisieren. Am besten eine Marktnische finden und besetzen. Sei es ein außergewöhnliches Thema oder eine besondere Art zu schreiben. Trotzdem sollte es irgendwie zu einem passen. Denn wo Spaß dahinter steckt, kommt auch bessere Arbeit heraus.

Der Buschfunk und das Web

Aufträge schön und gut, aber wie komme ich an sie heran? Vitamin B und ein eigenes Netzwerk helfen dabei sehr. Kontakte muss man hegen und pflegen wie alte Freunde. Denn ohne „networking“ kann ein freier Journalist nicht bestehen.

„Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert immer noch bestens.“ Diese Erfahrung hat Karin Wild gemacht. Ist ein Arbeitgeber zufrieden, empfiehlt er einen auch weiter.

Heutzutage spielt, neben Beziehungen und den Buschtrommeln, das Internet eine große Rolle. Sowohl Social Media Plattformen als auch spezielle Seiten für Freelancer bieten zahlreiche Möglichkeiten.

Letzten Endes ist und bleibt Auftragsgewinnung eine Laufarbeit. Es dauert ein halbes bis ganzes Jahr, um sich einen kleineren Kundenstamm aufzubauen. Geduld und Ausdauer sind daher wertvolle Wegbegleiter.

Das Leben als freier Journalist ist kein Ponyhof. (Oder vielleicht doch?)

Der DJV schätzt: Rund 26.000 Journalisten sind selbstständig und das bei einem Durchschnittsgehalt von 2.180 Euro brutto. Spätestens jetzt sollte klar werden, wer diesen Berufsweg einschlägt hat kein Zuckerschlecken vor sich. Ein gewisses Maß an Risikobereitschaft ist Voraussetzung. Allerdings rät Wild, das Konto immer streng im Auge zu behalten und rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, bevor man sich verschuldet oder in etwas verrennt.

Wissen was einen ausmacht. Seine Stärken kennen, anbieten und auch verkaufen können. Das ist die Kunst. Trotzdem schützt das nicht vor Schreibblockaden oder anderen Widrigkeiten, wie die häufig schlechte Zahlungsmoral der Kunden. Da wundert es keinen, wenn Freiberufler davon sprechen ein „dickes Fell“ haben zu müssen.

Dennoch wählt über ein Drittel aller Journalisten den Weg als „Freier“. Warum? Weil sie aus Überzeugung ihr Haupteinkommen damit erzielen wollen. So sieht das zumindest über die Hälfte, wie der DJV in einer Umfrage ermittelte. Zudem steht für jeden Fünften nicht der Geldaspekt im Vordergrund, sondern die Freude an der Tätigkeit. Sie sind unabhängig, kein nerviger Chef sitzt ihnen im Nacken und Mobbing im Büro gibt es auch nicht. Karin Wild schätzt genau das an ihrer Arbeit. Für sie (und vermutlich viele andere) ist das Luxus pur.

 

von Isabel-Marie Köppel

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*