Gonzo-Journalismus: Sarkasmus in der Presse

"Stimmt das, was im Postillon steht?" Auf diese Frage hat der Postillon eine überraschend ehrliche und scheinbar selbstverständliche Antwort. Wer einen Blick in die FAQs wirft, wird fündig (Bild 1). Trotz dieser „Präventiverklärung“ verstehen sie viele nicht. Und doch glaubt jeder, sie zu kennen. Die Satire bzw. den Sarkasmus.

Gonzo-Journalismus

Gonzo-Journalismus - Bild 1

Gonzo-Journalismus der heutigen Zeit: Die allererste FAQ des Postillon: Eine Warnung für Satire-Muffel. Quelle: Postillon.de

Seine eigentliche Bedeutung verschwimmt beim umgehenden Halbwissen oft mit der Ironie. Dabei ist sie viel weniger kunst- und anspruchsvoll. Der Sarkasmus ist vielleicht das wichtigste Stilmittel, das sich über die Jahre herausgebildet hat, um Kritik an Gott und der Welt zu äußern. Und das auch noch völlig legitim. Er verteilt verbale Ohrfeigen und ist der Inbegriff von Provokation und Spott. Nicht umsonst ist er als „die niedrigste Form des Witzes, aber die höchste Form der Intelligenz“ bekannt. Eine Sneak-peak in die Geschichte des Sarkasmus.

Gonzo-Journalismus

Sarkasmus ist für die meisten ein eigenständiger Begriff. Eigentlich fing er klein an: Als Stilmittel des Gonzo-Journalismus. Aufgekommen in den 1970er Jahren durch den US-amerikanischen Journalisten und Schriftsteller Hunter S. Thompson, entstand der Gonzo Style eher zufällig. Der Gonzo-Journalismus ist weniger eine Form des Journalismus, sondern eher Teil der Literatur. Im Amerikanischen steht gonzo für exzentrisch oder verrückt. Gonzo-Journalismus heißt subjektives Schreiben, beeinflusst durch Erfahrungen und Emotionen des Autors. Bei dieser Art des New Journalism erzählt der Autor aus der Ich-Perspektive und baut seine Story durch Sarkasmus und Selbstironie auf. Nicht selten beschimpft er dabei das Publikum direkt mit Ausdrücken oder baut teilweise frei erfundene Dinge in sein Erlebnis mit ein.

Gonzo-Journalismus

Ein Beispiel-Artikel des Postillon: „Linie übertreten“ Quelle: Postillon.de

Der Postillon

Ein Paradebeispiel für Sarkasmus in den heutigen Medien: Der Postillon. Wer glaubt, den Postillon gäbe es (wie auf der Homepage behauptet) seit 1845 und verbreite ehrliche Nachrichten, wird hier eines Besseren belehrt. Die Website veröffentlicht fast täglich satirische Meldungen und Artikel im Stil einer Tageszeitung. Oft postet die Redaktion des Postillon die Artikel auf ihrer Facebook-Seite und lässt sie von Nutzern kommentieren. Häufig rieselt es Kommentare wie „So ein Schwachsinn! Welche Deppen denken sich solch hirnlose Artikel aus und setzen diese auch noch in die Welt?“ Klar, vielleicht hat der betroffene Artikel „Linie übertreten: Rekordsprung aus 39 Kilometern Höhe für ungültig erklärt“ keinen viel tieferen Sinn als Unterhaltung und sicher gehört sehr viel Kreativität dazu, Themen auf absurde Art ins Lächerliche zu ziehen. Aber das blinde Huhn findet in jedem sarkastischen Artikel ein Körnchen der Kritik und auch der Wahrheit. So ist es die Mehrheit der Postillon-Leser, die sie erkennt und dementsprechend mit sarkastischen Kommentaren reagiert. Nicht umsonst hat der Postillon allein auf Facebook mehr als zwei Millionen Abonnenten.

Katastrophale Folgen des Sarkasmus

Als letztes war Sarkasmus Auslöser für ein Ereignis, das wohl jedem im Gedächtnis geblieben ist. Charlie Hebdo. Die französische Satirezeitschrift mit Sitz in Paris wurde im Januar letzten Jahres Opfer eines Terroranschlages. Wegen der satirischen Darstellung einiger Mohammed-Karikaturen mussten am 7. Januar 2015 17 Menschen sterben. „Der Name Charlie stammt von der Figur Charlie Brown von den „Peanuts“ und verweist auf die Ursprünge der Zeitschrift als Comic-Magazin.“ Hebdo ist im Französischen die Abkürzung für hebdomadaire (frz. wöchentlich). Die satirische Wochenzeitung verpackt ihre Kritik an sozialen Problemen, Politik und aktuellen Themen in kleinen, selbst gezeichneten Comics für ihre Leser.

Sarkasmus als Anreger

Oft stößt der Sarkasmus Menschen vor den Kopf, weil das Vorwissen mancher Leser nicht ausreicht, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Andere sind vielleicht so in Rage, dass sie die Realität hinter sich lassen. Und wieder andere glauben, den Sarkasmus zu verstehen, obwohl sie die Sozialkritik dahinter kalt lässt. Dabei fördert Sarkasmus die Kreativität und das abstrakte Denken: Da nie das gesagt wird, was gemeint ist, muss das Gehirn die Aussagen umdenken. Sarkasmus macht kreativ und hilft, Probleme leichter zu lösen.
Der Gonzo-Journalismus ist eine Art der Meinungsäußerung, die für Demokratie und Freiheit wichtig ist. Es ist die Möglichkeit, Dinge auf satirische Art zu kritisieren und das schon seit Jahrzehnten. Der Sarkasmus ist wertvoll, um das Wichtige zu sehen und etwas zu verändern.

Wie der Anschlag auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo mit der Meinungsfreiheit zusammenhängt, erfahrt ihr hier!

Mehr über Satire im Journalismus gibt’s hier!

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