Grenzen der Recherche

Grenzen der Recherche

Ob am roten Teppich, bei Unfällen oder Großereignissen, Journalisten stehen immer in der ersten Reihe. Sie denken nur an ihre Story und berichten ohne Rücksicht auf Verluste. Dieses Bild haben viele Menschen von Journalisten. Doch ganz so einfach können es sich die Pressemitglieder nicht machen. Auch sie müssen die Grenzen der Recherche beachten.

Eine Richtlinie ist dabei die Ziffer 4 im Pressekodex, die sich auf die Grenzen der Recherche bezieht. Sie schreibt dem Journalisten vor, wie er sich beim Einholen seiner Information verhalten soll und wie weit er dabei gehen darf. Grundsätzlich gibt der Journalist sich immer als solcher zu erkennen und macht korrekte Angaben zu seiner Person und das von ihm vertretene Organ. Nur im Sonderfall ist eine verdeckte Recherche gewährleistet. Will der Journalist Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschaffen, darf er seine wahre Identität geheim halten. Allerdings ist dies nur gewährleistet, wenn die Informationen auf keinen anderen Weg zugänglich sind.

Der Journalist muss sich bei seiner Recherche an gewisse Regeln halten. Vor allem bei personenbezogenen Themen muss er die Grenzen der Recherche einhalten

Pressekodex, Ziffer 4

Grenzen der Recherche bei personenbezogener Arbeit

In besonderen Situationen, wie Unglücksfälle und Katastrophen, muss der Pressearbeiter seine Arbeit und Informationsanspruch hinter die jeweiligen Rettungsmaßnahmen stellen. Bezieht sich die Recherche allgemein auf Personen, dürfen keine unlauteren Methoden zum Einsatz kommen, um Daten, Bilder oder Informationsmaterial zu erhalten. Vor allem bei der Arbeit mit Menschen, die nicht im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte sind, muss der Journalist taktvoll vorgehen. Auch im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, ebenso mit Personen in seelischen Extremsituationen, wie beispielsweise Verwandte eines kürzlich Verstorbenen, ist Vorsicht geboten. Der Recherchierende darf deren außergewöhnliche Situation und „uneingeschränkte Willenslage“ nicht bewusst für die eigene Informationsbeschaffung nutzen. Die Ziffer 4 des Pressekodex bezieht ihre Richtlinien für die Grenzen der Recherche also hauptsächlich auf den Umgang mit Menschen. Ihre Persönlichkeitsrechte, Ehre und Würde darf der Journalist mit seiner Arbeit nicht verletzen.

Auskunftsverweigerung

Artikel 4 des Bayerischen Pressegesetzes bescheinigt der Presse das Recht auf Auskunft gegenüber staatlichen Behörden. Allerdings gibt das Gesetz auch Ausnahmen vor, in denen dieses Recht nicht in Kraft tritt. Allgemein dürfen juristische und private Personen die Auskunft gegenüber Journalisten verweigern. Auch die staatlichen Behörden müssen in Sonderfällen der Presse keine Antworten geben. Ist die Information mit einem außerordentlichen Arbeitsumfang verbunden, darf die Behörde eine sofortige Rückmeldung abweisen. Wenn die Presse mit ihrer Fragerei ein schwebendes staatsanwaltschaftliches Verfahren behindert oder sogar gefährdet, darf das Amt die Anfrage ablehnen. Verletzt die Herausgabe von Informationen sonstige gesetzliche Vorschriften, wie Datenschutz, darf die Behörde sich weigern, dem Journalisten zu Antworten. Außerdem rückt das Recht auf Auskunft in den Hintergrund, sobald das Herausgegebene gesetzlichen Geheimhaltungsvorschriften entgegensteht. Damit sollen die Sicherheit und die Persönlichkeitsrechte der Bevölkerung geschützt werden.

Grundsätzlich muss der Journalist immer wissen, ob seine Recherche und die Information im Widerspruch zu den Gesetzen oder Persönlichkeitsrechten steht. Wiegt das öffentliche Interesse an seinen Arbeitsergebnissen nicht so hoch wie die Pflicht, die bestehenden Vorschriften einzuhalten, dürfen Behörden die Auskunft verweigern. Dann hat die Presse ihre Grenzen der Recherche erreicht.

Quellen:

  • Pressekodex, Ziffer 4

  • Bayerisches Pressegesetz, Artikel 4

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