Mobile Reporting im Check

Bereits im Februar letzten Jahres berichtete medienfrage.de über den Trend zur mobilen Berichterstattung, das sogenannte Mobile Reporting. Doch was sind die Vorteile dieser Art des Berichtens? Und welche Probleme ergeben sich zwangsläufig? Medienfrage macht den Test.

Mobile Reporting im Check

von Daniel Wolf

Im modernen Journalismus geht es immer mehr um Schnelligkeit. Online-Redaktionen wetteifern miteinander, ihre Informationen als erstes an den Mann zu bringen. Seitdem so gut wie jeder Reporter mindestens ein Smartphone oder Tablet besitzt, hat die Schnelligkeit neue Dimensionen erreicht. Und nicht nur die: Auch das „Mobile Reporting“, die mobile Berichterstattung, ist auf einem ganz anderen Level angelangt. Multimediale Beiträge von unterwegs zu produzieren und publizieren ist kein Hexenwerk mehr.

 

1. Vorteil: Charme

Selbstverständlich kann diese Art der Berichterstattung in Sachen Video- und Tonqualität (noch) nicht mit den herkömmlichen Produktionen mithalten. Gerade das macht aber den Charme der Beiträge aus. Der Erlebniswert einer „Handy-Reportage“ übertrifft den einer ernst gefilmten Reportage um Längen. Sie bindet den Zuschauer direkt ins Geschehen mit ein und berichtet aus dem Ereignis. So ist die Action im Bild meist garantiert. 

 

2. Vorteil: Technische Entwicklung und Schnelligkeit

Dabei ist das Medium, für das ein Journalist Beiträge erstellt, völlig egal, da es mittlerweile für fast alles eine App gibt. Via WordPress den persönlichen Blog im Internet zu aktualisieren, ist problemlos möglich. Das gerade eben gesammelte Videomaterial kann der Reporter dank Programmen wie „iMovie“ noch auf dem Weg in die Redaktion in der U-Bahn schneiden. Das mag nicht immer komfortabel sein, aber es geht schnell. Außerdem ist es bedeutend kostengünstiger, mit einem Smartphone zu drehen, als ein komplettes Kamera-Team zu engagieren. Zudem ist es immer und von überall möglich. 

 

3. Vorteil: Authentizität

Der größte Vorteil des „Mobile Reporting“ ist jedoch die Authentizität: Wer vermutet hinter dem Reporter mit dem Smartphone denn einen wissbegierigen Journalisten einer Online-Redaktion? Natürlich müssen Sie sich als Journalist immer zu erkennen geben. Dennoch stellen Sie relativ schnell fest, dass Ihre Informanten Ihnen als einzelnem Handy-Reporter meist deutlich interessantere und vielleicht auch ehrlichere Antworten geben als dem konkurrierenden Kamera-Team des großen TV-Senders daneben. 

 

1. Nachteil: Technische Probleme des Mobile Reporting

Voraussetzung ist aber, dass die Technik mitspielt. So ist bei den meisten mobilen Geräten die geringe Batterielaufzeit problematisch. Gerade eine intensive Nutzung, zum Beispiel ein Video-Upload ohne W-LAN- Verbindung, belastet den Akku stark. Im schlimmsten Fall ist der Reporter plötzlich offline, ohne alle seine Inhalte hochgeladen zu haben. Daher ist es sehr empfehlenswert, immer einen Ersatzakku, ein mobiles Aufladegerät oder ein zweites Smartphone mit sich zu tragen. 

 

2. Nachteil: Vorsicht bei der Tarifwahl

Vor allem dann, wenn ein Journalist ein großes Datenvolumen verbraucht, sollte er sich intensiv mit der Wahl des richtigen Tarifs beschäftigen. In diesem Fall ist ein monatlicher Tarif zu empfehlen. Berichten Sie allerdings nur selten mobil, reicht ein Prepaid-Vertrag meist aus. Besonders, wenn Sie aus dem Ausland berichten, können sonst enorm hohe Kosten anfallen.

 

3. Nachteil: Paralleles Arbeiten

Zu guter Letzt ist es auch deswegen von Vorteil, zwei mobile Geräte dabei zu haben, da ein Smartphone zwar vieles kann, aber nichts davon gleichzeitig. Mit einer Kombination aus Tablet und Handy kann man allerdings leicht ein Video schneiden, während man parallel mit seiner Community interagiert oder bereits produzierten Inhalt auf seine Website stellt. 

 

Ausblick

Mobiltelefone werden in Zukunft das primäre Reporter-Werkzeug sein. Zumindest für die ersten Stunden nach einem Ereignis“, meint die amerikanische Journalismusdozentin Mindy McAdams. Für den Reporter von heute heißt das, sich intensiv mit der Funktionsweise der Geräte auseinanderzusetzen. Denn die Entwicklung des „Mobile Reporting“ ist noch längst nicht abgeschlossen. Mit jedem Monat, der vergeht, wird der Datenverkehr schneller, die Bildqualität besser und die Akkulaufzeiten länger. Wir stehen erst am Anfang.

Bildrechte von Wikimedia Commons:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f3/MSC_2014_Smartphone-Audience_Mueller_MSC2014.jpg

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Mobile Reporting - Journalismus in Terrorgebieten - Medienfrage

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*