Musikfernsehen – und warum es doch noch nicht tot ist

Am 1. August 1981, kurz nach Mitternacht, erblickte mit MTV der erste 24-Stunden-Musiksender der Geschichte das Licht der Welt. „Video killed the radio star“ lautete damals der Titel des ersten Videos, welches bei MTV über den Bildschirm flimmerte. Schnell vorgespult in das Jahr 2016 gibt es MTV immer noch, von Musikfernsehen ist das Programm allerdings weit entfernt. Wie auch das Unterhaltungsfernsehen wandert auch das Musikfernsehen ins Internet – und erfreut sich dort großer Beliebtheit.

Musikfernsehen im klassischen TV

Der Markt des klassischen Musikfernsehens in Deutschland wird vor allem von Sendern der High View-Gruppe aus dem niederbayerischen Landshut dominiert. Mit Jukebox.tv und Deluxe Music HD haben sie sich zwar bewusst im Pay-TV positioniert, legen aber auch Wert auf eine kostenlose Verbreitung per Livestream im Internet. Ein Konzept, das aufgeht: in der werberelevanten Zielgruppe konnte Deluxe Music den Marktanteil im Jahr 2015 um 45 Prozent steigern. In einer Welt, in der die Mediennutzung „on demand“ – also auf Abruf – möglich ist, ein beachtlicher Erfolg.

Dem Musikfernsehen drohte vor einigen Jahren noch das sichere Aus - jetzt erlebt es im Internet ein Revival.

Die digitale Revolution

Zwei Dinosaurier unter sich: Udo Lindenberg im Musikfernsehen

Zwei Dinosaurier unter sich: Udo Lindenberg im Musikfernsehen.

Bei allen Vorwürfen, die man der Musikindustrie in der Vergangenheit machen konnte – sei es das bis vor wenigen Jahren noch hochkomplizierte Verfahren des Onlinekaufs, der ewige Streit zwischen YouTube und GEMA oder Kopierschutzmechanismen, die nicht auf allen MP3-Playern funktionierten – sie hat auch viel dazugelernt. 2007 durfte Apple über ihren iTunes-Store erstmals Musik ohne Kopierschutz verkaufen. Seit ein paar Jahren wird Musik preiswert an Streaming-Dienste wie Spotify, Apple Music oder Ampya weitergegeben. Die bestimmen so den Markt mit und wollen dabei auf eines nicht verzichten: Musik-Videos. Nur kann der Nutzer jetzt selbst entscheiden was er sehen und wann er es sehen will. Ganz ohne nervige Klingeltonwerbung im Jamba Spar-Abo!

Hohe Nachfrage, noch viel nachzubessern

Laut der „Age of ears“-Studie 2015 rezipieren 50% der Nutzer Musik über Musikvideos. Ein deutliches Zeichen, dass die Nachfrage da ist. Häufig sind Videos auf YouTube gar nicht von Plattenfirmen oder Künstlern autorisiert, sie gehen also leer aus, wenn ein Musikvideo angesehen wird. Umso wichtiger ist es für die Musikbranche, kostenpflichtige Dienste wie tape.tv oder putpat zu etablieren. Nur wenn die Nutzungsrechte vorher klar sind und die Künstler mitverdienen, lohnt sich der Weg ins Internet. Unerlaubt hochgeladene Musikvideos werden von YouTube zwar reihenweise gesperrt, die Erlöse daraus gehen aber trotzdem verloren. Und dem Nutzer ist es letztlich egal, wer das Video hochgeladen hat, solange er es kostenlos ansehen kann.

2010 sang die amerikanische Indie-Band The Limousines noch „Internet killed the video star“ – eine Anspielung auf das erste Video auf MTV und den digitalen Zeitwandel. Doch der „video star“ hat dazugelernt und sich kurzerhand mit dem Internet verbündet. Der Gewinner ist dabei nicht nur die Industrie, sondern auch der Nutzer.

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