Second Screen: Die Zukunft auf dem zweiten Bildschirm

Das Fernsehen befindet sich im Wandel. Lineares Fernsehprogramm gilt unter den jungen Zuschauern als veraltet und unbequem. Netflix, Mediatheken und Co. haben das Konsumverhalten der Zuschauer nachhaltig verändert – dennoch ist das Fernsehen noch immer das meistgenutzte Medium in Deutschland. Auffällig ist allerdings, dass viele Zuschauer sich jetzt mit ihrem Tablet oder ihrem Smartphone auf das Sofa setzen, um sich die Werbepausen oder langweilige Stellen im Programm zu versüßen. Ein Trend, der auch Medienmachern natürlich nicht verborgen bleibt. Doch wie kann der Zuschauer, auch wenn er sich vom Programm entfernt, gehalten werden? Die Antwort lautet: Second Screen.

Ablenkung ist nicht gleich Ablenkung

Unterschieden wird hierbei zwischen der Parallelnutzung und der Nutzung im Sinne vom Second Screen. Parallelnutzung bedeutet, dass der Zuschauer während einer Übertragung sein mobiles Endgerät zum chatten oder spielen nutzt. Was der Nutzer dabei am Handy oder Tablet macht hat inhaltlich keine Verbindung zum Programm. Bei Second Screen handelt es sich aber um Inhalte, die zum Geschehen passen. Dies können erweiterte Statistiken bei Sportübertragungen, Umfragen oder Infos zu Schauspielern bei Filmen oder Serien sein.

Second Screen wird immer beliebter

Foto: Robert S. Donovan

Potential auf dem deutschen Markt ist vorhanden

Vor allem für die jungen Nutzer, die immer weniger Interesse am linearen Fernsehprogramm haben, birgt dieser Trend ein hohes Potential. Fast die Hälfte der jungen Zuschauer zwischen 14 und 29 Jahren gab bei einer Studie im Auftrag von IP Deutschland an, regelmäßig das Handy oder Tablet parallel zum TV-Programm zu nutzen. Aber nichtmal jeder Zweite davon konsumiert spezielle Second Screen-Angebote – was sicher auch daran liegt, dass es kaum gute Angebote gibt.

Second Screen muss auch recherchiert und aufbereitet werden

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter laden Medienmacher zur Diskussion ein.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter laden Medienmacher zur Diskussion ein.

Die Vorbereitung von Second Screen-Inhalten erfordert einerseits die Technik, also Apps oder entsprechend angepasste Webseiten, auf die der Nutzer zugreifen kann – andererseits müssen die Inhalte auch sorgfältig recherchiert und eingepflegt werden. Für Journalisten heißt dies, dass oft wenig Zeit bleibt, beispielsweise bei Live-Übertragungen. In den USA ist dies bereits der Alltag. Eine Studie von Yahoo ergab 2011, dass in den USA sogar ganze 86% der Zuschauer ihre mobilen Endgeräte parallel nutzen. Bei der neu angelaufenen Sitcom „Truth be told“ auf NBC kann der Zuschauer über den Kurznachrichtendienst Twitter an Umfragen teilnehmen. Die Ergebnisse werden nur wenige Minuten später auf dem Bildschirm präsentiert. Beim amerikanischen Ableger der Castingshow „The Voice“ wird sogar per Twitter entschieden, welcher Künstler noch im Wettbewerb bleibt und wer rausfliegt. So sorgen die Macher zusätzlich zum eigentlichen Programm auch noch dafür, dass man bei einem Besuch auf Twitter sofort darauf hingewiesen wird, dass „The Voice“ läuft. Die entsprechenden Hashtags schaffen es Woche für Woche in die sog. trending topics, also in die Liste der am meisten genutzten Hashtags.

Deutschland hinkt hinterher – noch

In Deutschland hingegen sieht es noch etwas mau aus. Der Tatort in der ARD wird in den sozialen Netzwerken oft mitkommentiert, das ZDF bietet bei Champions League-Spielen sogar mehrere Kameraperspektiven über ihre App an. Insgesamt wird aber noch zu wenig gemacht, um den Zuschauer auch über den zweiten Bildschirm an das Programm zu binden. In den nächsten Jahren werden aber auch deutsche Fernsehmacher immer mehr auf Second Screen setzen – ein Trend, der auch für Journalisten hochinteressant ist und viele Chancen für die Zukunft bietet.

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