Social Bots erkennen – Die Gefahr im Netz

Im Social Web tauchen immer häufiger falsche Profile auf. Hinter den meisten dieser Accounts stehen nicht etwa reale Menschen, sondern vermehrt Software-Programme – sogenannte Social Bots. Politische Gruppen haben deren Vorteile längst erkannt. Medienfrage klärt auf, welche Gefahren von den Fake-Accounts ausgehen und wie Sie Social Bots erkennen. 

Social Bots erkennen - die Gefahr im Netz

von Daniel Wolf

Jeder von uns hat es wahrscheinlich schon mal erlebt. Man öffnet sein Facebook-Profil und hat eine neue Freundschaftsanfrage. Langes, blondes Haar. Blaue Augen. Ansehliche Statur. Leonie, 25, will mit dir befreundet sein. Klingt ja erst mal gar nicht schlecht, denken da wohl die meisten. Schauen wir uns das Profil allerdings etwas genauer an, fällt auf: es ist lückenhaft und wir haben keine gemeinsamen Freunde.

 

Social Bots erkennen

Die Vermutung liegt nahe, dass Leonie gar kein echter Mensch ist, sondern ein sogenannter Social Bot. Der vom englischen „robot“ abgeleitete Begriff bezeichnet Software-Roboter, welche sich unzählige Profile auf allen möglichen sozialen Netzwerken basteln. Sie versuchen, mit echten Menschen in Kontakt zu kommen, beispielsweise durch Freundschaftsanfragen. Einmal die Anfrage angenommen, fangen die Bots an, private Informationen des Users zu sammeln. Genau das macht sie für Unternehmen interessant, die gerne über ihre Nutzer Bescheid wissen. Dabei sind die Roboter für jedes soziale Netzwerk anders programmiert, je nach den Eigenschaften des Mediums. So versucht ein Social Bot auf Dating-Websites wie beispielsweise „Tinder“ seine Zielpersonen in der Chat-Funktion durch Links auf vorwiegend pornographische Websites zu locken, um sie dort etwa in „Abofallen“ zu locken. 

 

Social Bots werden immer menschlicher

Doch die Bots können weit mehr als nur Daten sammeln und auslesen. Mittlerweile sind die Roboter in der Lage, eigenständig Konversationen zu führen und so User zu täuschen. Sie erkennen Behauptungen und können anhand vorgefertigter Formulierungen beispielsweise Zweifel äußern. Gerade die Plattform „Twitter“ ist hier für Programmierer besonders reizvoll. Der Account ist – ohne großartig Daten preisgeben zu müssen – schnell erstellt. Einmal aktiviert verhält sich der Bot zunächst passiv und postet erst nach einiger Zeit seine ersten eigenen Tweets. Eben so wie der durchschnittliche User auf Twitter. Social Bots erkennen zu können, wird dadurch schwerer. Eine Statistik des „Spiegel“ zeigt: Mittlerweile ist jeder 12. User auf Twitter ein Software-Roboter. 

 

Gefahr: Social Bots als Meinungsmacher

Da sich die Bots an Diskussionen beteiligen können, ist eine unterschwellige Beeinflussung möglich. So kann jeder, dem genügend Geld zur Verfügung steht, ein entsprechendes Bot-Netzwerk aufbauen. Gerade Regierungen in Krisenländern zeigen daran großes Interesse, denn die Roboter können dadurch weitgehend unbemerkt Propaganda verbreiten. So verschwinden regierungskritische Posts im Social Web häufig unter hunderten von gezielt gestreuten – und hoch bewerteten – Beiträgen. Der Vorteil dabei: die Meinungsfreiheit wird nicht angerührt, aber die öffentliche Meinung dennoch beeinflusst. Quasi eine ganz subtile Form der Zensur. 

 

Social Bots erkennen: User sind in der Pflicht

Dennoch steckt die Entwicklung künstlicher Intelligenz noch in den Kinderschuhen. Gerade bei langen Dialogen mit Social Bots können diese häufig enttarnt werden und Sie können die Social Bots erkennen. Hier sind auch die Nutzer des Social Webs in der Pflicht. Jeder von uns muss mit offenen Augen durchs Netz gehen und kritisch prüfen, wer etwas schreibt. Dabei dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Auch nicht von schönen Augen und wallendem Haar.

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