Sorgfaltspflicht: was darf veröffentlicht werden?

Was darf veröffentlicht werden?

 Die nötige Sorgfaltspflicht


Entscheidend ist, welche Sorgfalt angesichts der jeweiligen Situation gefordert ist, nicht was der einzelne Journalist für wichtig empfindet. Der Bundesgerichtshof hat einen strengen Maßstab veranschlagt, da die Presse Vertrauen und ein hohes Ansehen genießt. Die Sorgfaltspflicht ist zentraler Bestandteil des Pressecodexes.
Der Pressekodex besteht aus Grundsätzen und Richtlinien, die der deutsche Presserat vorgibt.

Auszug aus dem Pressecodex:

Ziffer 2 – Sorgfalt

Recherche ist ein unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift nicht verfälscht oder entstellt werden. Unbestätigte Meldungen sind als solche erkennbar zu machen.

Die Sorgfaltspflicht umfasst folgene Punkte:

Gründliche Recherche
Die Vorbereitung beim Verfassen von einem Artikel ist immens wichtig. Der Umfang der Recherche hängt von den betroffenen Persönlichkeitsrechten ab. Dazu gehört die Befragung der Person, über die berichtet wird, dazu.

Herkunft
Die Quellen müssen auf Richtigkeit und Vertrauen überprüft werden. Meldungen von anerkannten Presseagenturen, beispielsweise „dpa“, genießen besonderes Vertrauen und müssen nicht anhand einer weiteren Quelle belegt werden. Wenn die Informationen nicht von weiteren Quellen bestätigt werden können, muss ein entsprechender Hinweis, dass es sich um einer Vermutung oder Gerücht handelt, genannt werden.

Vollständige Informationen
Ein Artikel muss möglichst alle Seiten beleuchten. Fehlende Informationen stehen einer unabhängigen Meinungsbildung im Wege. Beispielsweise darf sich der Bericht über eine Straftat nicht nur auf Anklagepunkte beschränken, sondern muss auch auf entlastende Sachverhalte hinweisen. Wichtig ist jedoch, zwischen Privatsphäre und Informationsinteresse der Öffentlichkeit abzuwägen.

Ausnahmen
Es gibt Sachverhalte der Eilbedürftigkeit. So kann Zeitdruck die Sorgfaltspflicht mindern, etwa vor Wahlen oder bei Gesundheitsgefahren. Hier sind auch vage Verdachtsmomente ausreichend, müssen jedoch deutlich als solche gekennzeichnet werden.

Beispiel aus dem Magazin „Spiegel“: Auf dem Titelbild ist die bekannte Aidsschleife mit der Überschrift „Aids Wunder“ abgebildet.
Eine Leserin moniert, dass das Titelblatt einen falschen Eindruck und Hoffnungen zur möglichen Heilung vermittelt.
Es wurde eine Missbilligung ausgesprochen. Das Titelblatt habe eine suggestive Wirkung, welche nicht durch die Realität gedeckt ist. Ein Untertitel, dass kein konkretes Mittel zur Heilung entdeckt wurde, sollte zu diesem Bild angebracht werden. Es handelt sich hier um einen großen medizinischen Fortschritt, nicht jedoch um eine vollständige Heilmethode.

Wer die Journalistische Sorgfaltsfplicht vernachlässigt, handelt fahrlässig!

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