Streaming per Direktvertrieb: Vom TV ins Web

Die Fantasy-Serie Game of Thrones, das Krimi-Drama True Detective und die Politsatire Last Week Tonight haben vieles gemeinsam: starke Quoten, Millionen von Fans und großartige Unterhaltung. Auch werden alle drei vom amerikanischen Pay-TV-Sender Home Box Office, kurz HBO, produziert und ausgestrahlt. Der Sender hatte jahrelang damit zu kämpfen, dass ihre Kanäle nur über Kabelnetz- und Satellitenbetreiber vermarktet werden konnten. Hohe Preise für den Endkunden waren die Folge. Das Internet bietet dank Streaming nun eine große Chance für den Sender – und der zeigt der Konkurrenz, dass dieses Modell durchaus funktioniert.

Das Pay-TV der Zukunft

Mit dem Start von HBO NOW im vergangenen Jahr kann HBO seine beliebten Serien und Sendungen direkt über das Internet, als Livestream oder on demand, an den Kunden vermarkten. Diese Form des Vertriebs nennt man „Over the top“. Vorher musste der Zuschauer ein Abo bei einem Kabel- oder Satellitenbetreiber abschließen, welches hunderte von Sendern beinhaltete, von denen nur ein Bruchteil tatsächlich angesehen wurde und sehr teuer war. Der Streaming-Service hingegen kostet nur $14,99 im Monat. Experten gingen wenige Monate nach dem Start davon aus, dass die Zahl der Abonnenten zwischen einer und zwei Millionen lag. Dies wurde inzwischen von HBO selbst auf ca. 800.000 korrigiert – was trotz allem ein beachtliches Ergebnis. Da ist natürlich klar, dass nur kurze Zeit danach auch der Konkurrent Showtime mit seinem eigenen Angebot an den Start ging.

Das Internet bietet dank Streaming nun eine große Chance für den Sender - und HBO zeigt der Konkurrenz, dass dieses Modell durchaus funktioniert.Streaming gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung

Netflix beispielsweise bietet auch Eigenproduktionen (hier mit dem Netflix-Logo markiert) neben eingekauften Inhalten an.

Netflix beispielsweise bietet auch Eigenproduktionen (hier mit dem Netflix-Logo markiert) neben eingekauften Inhalten an.

Auch die deutschen Medienhäuser trauen sich langsam an Streaming heran. Die Constantin Medien AG bietet seit 2013 Livestreams für ihre Pay-TV-Sender Sport1+ und Sport1 US an, die Mediatheken der Privatsender bieten ein ähnliches Prinzip. Die britische Perform Group sichert sich zur neuen Saison die Rechte an der beliebten Premier League, der höchsten Liga im englischen Fußball, und möchte mit einem Streaming-Dienst an den Start gehen, der wie ein „Netflix für Sport“ agieren soll. Bei der Rechtevergabe wurde auch der klassische Pay-TV-Riese sky ausgestochen. Die Bereitschaft zum Risiko scheint da zu sein, ob sich das System in Deutschland durchsetzt steht aber in den Sternen. Pay-TV hat in Deutschland historisch gesehen einen schweren Stand, weil ein Großteil der Sender kostenfrei empfangbar ist. Die Tendenz ist aber steigend, wie eine Studie des Verbands Privater Rundfunk- und Telemedien e. V. belegt. Diese geht von 7 Mio. Pay-TV-Abonnenten in Deutschland aus und sagt ein weiteres Wachstum vorher.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die Besonderheit an den Angeboten von HBO und Showtime liegt darin dass sie die Serien, die sie ausstrahlen, sogar selbst produzieren. Ähnlich agieren Amazon Instant Video und Netflix, die eingekauften Content gepaart mit Eigenproduktionen anbieten. Netflix soll laut einer Schätzung von Digital TV Research in Deutschland rund 1,2 Mio. Abonnenten haben, über die Konkurrenz ist wenig bekannt. Dass sich der klassische Medienkonsum aber zunehmend ins Internet verlagert wissen sie alle. Und auf klassisches Fernsehen zu verzichten war noch nie so einfach wie heute, sei es mit Hilfe von Android-Sticks, Mini-PCs oder Smart-TVs. Diesen Trend haben die großen Studios schon längst erkannt – und werden nun zu Konkurrenten ihrer ehemaligen Vertriebspartner.

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