Transmedia Storytelling – digitales Erzählen

Geschichten werden heutzutage zunehmend digital erzählt. Oft beschränken sich Journalisten dabei auf eine monomediale Verbreitung. Diese kann das Informationsinteresse der Nutzer nur bedingt befriedigen. Transmedia Storytelling bietet die Möglichkeit, Geschichten auf eine neue Art und Weise zu erzählen. Medienfrage erklärt den Trend des multimedialen Erzählens.

Transmedia Storytelling - digitales Erzählen neu definiert

von Daniel Wolf

Der Journalismus ist ein weit gestecktes Feld. Journalisten sind Aufklärer, Berichterstatter oder Kommentatoren. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie sind Geschichtenerzähler. Jeder Journalist sucht fortwährend nach guten Stories. Nach Emotionalem, Dramatischem, ja sogar Gefährlichem. Die Suche nach guten Geschichten ist die Kunst des Journalismus. Der PR-Experte Prof. Dr. Michael Bürker sagte einmal: „Journalisten sind Junkies. Aber sie wollen guten Stoff.“

Was ist „Transmedia Storytelling“?

Patrick Möller, Transmedia Storytelling Experte

Patrick Möller (39), Transmedia Storytelling-Experte

In Zeiten von „Social Media“ und Smartphones werden Geschichten immer häufiger digital erzählt. Aber, und das verwundert, meist immer noch monomedial. Das heißt, viele Stories sind nur auf einem einzigen Medium abspielbar. Dieser Tatsache tritt das sogenannte „Transmedia Storytelling“ entgegen. Die Idee des transmedialen Erzählens ist es, eine Geschichte über mehrere Medien hinweg zu erzählen, wobei der Erzähler hier die jeweiligen Stärken eines bestimmten Mediums ausnutzen kann. „Das ermöglicht einen ganz neuen Einblick in eine Geschichte“, meint Unternehmensberater Patrick Möller. Der 39-Jährige gibt seit einigen Jahren Seminare zum Thema Transmediales Erzählen.
Die Besonderheit ist, dass jede Geschichte für sich exklusive Informationen enthält, aber alle einem einzigen roten Faden folgen. So könnte bei einem crossmedial aufbereiteten Artikel- beispielsweise über eine herausragende Persönlichkeit – das Leben des Protagonisten in der Zeitschrift, das Interview mit jenem aber auf dem Social-Media-Kanal des Blattes erscheinen. Das schafft Anreize für den Leser, sich transmedial mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Denn ein einziges Medium schafft es heute selten, den Drang der Nutzer nach Informationen zu befriedigen.

Transmedia Storytelling im Journalismus

Gerade die Filmbranche hat in den letzten Jahren verstärkt mit transmedialem Erzählen experimentiert. So hat beispielsweise das ZDF im Jahr 2014 den interaktiven Film „APP“ im Montagskino ausgestrahlt. Auch Hollywood bleibt der Trend nicht verborgen. Bereits seit 2011 begleitet eine Transmedia-Kampagne die Blockbuster-Reihe „Die Tribute von Panem“.
Hier hinkt der Journalismus hinterher. „Bisher wenden wenige Redaktionen Transmedia Storytelling an“, so Unternehmensberater Möller, „obwohl die Techniken dafür seit Jahren zur Verfügung stehen.“
Dabei bietet das transmediale Erzählen auch im Journalismus allerhand Vorteile. Durch eine geschickte Dispersion der Inhalte eines Artikels auf das jeweils passenden Medium kann der Journalist seine Leserschaft direkt dort abholen, wo sie sich aufhalten. Sei es nun das Social Web oder doch noch die klassische Tageszeitung. Zusätzlich hat der Nutzer dabei die Möglichkeit, sich via weiterer Medien über andere Aspekte der Geschichte zu informieren. „Der Rezipient hat die Chance, ganz neue Perspektiven auf ein Thema zu gewinnen“, so Möller.

Transmedia Storytelling als Retter der klassischen Print-Produkte?

Können es Redaktionen mit Hilfe des transmedialen Erzählens also schaffen,die Jugend aus dem Social Web wieder zurück zu den Zeitungen und Zeitschriften zu bringen? Quasi eine Geschichte in deren bevorzugtem Medium anzuteasen und somit einen Kaufreiz für das klassische Produkt zu setzen? Patrick Möller will das nicht komplett ausschließen, hat aber seine Zweifel. „Ich glaube nicht, dass der geneigte Social-Media-Nutzer nur wegen einer gut erzählten Geschichte dauerhaft seine Gewohnheiten ändert“, meint der 39-Jährige. Es käme aber wohl auf einen Versuch an. Angesichts der neuesten Absatzentwicklung der Tageszeitungen müssen diese um jeden einzelnen, vor allem jungen, Nutzer kämpfen. Transmedia Storytelling könnte hier helfen, dass nicht nur die Journalisten, sondern auch die User den Stoff bekommen, den sie brauchen. Gut erzählte Geschichten.

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