Uwe Ritzer: „Wer gut ist, wird es auch weit bringen!“

Seit seinem 14. Lebensjahr wollte Uwe Ritzer nichts anderes als Journalist werden. Nach seinem Zivildienst, hat sich der 50-Jährige für ein Volontariat bei den Nürnberger Nachrichten entschieden und ist nach und nach dem Journalismus verfallen. Heute arbeitet er als etablierter Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und kennt die Branche in- und auswendig. Zu seinen größten Erfolgen zählt die Enthüllung des  ADAC Skandals, sowie die Mollath-Affäre.   von Luzia Ohmann

Uwe Ritzer ist ein etablierter Journalist und kennt durch seine langjährige Erfahrung die besten Tipps und Tricks des Journalismus

Sie sind durch ein Volontariat zum Journalismus gekommen. Würden sie im Nachhinein nochmal den selben Weg gehen?

Uwe Ritzer: Der Weg, den ich gegangen bin, war damals schon relativ selten und ist heute erst recht nicht mehr denkbar. Grundsätzlich würde ich mich heute erst für ein Studium entscheiden oder versuchen, auf eine Journalistenschule zu kommen und dann in den Beruf einzusteigen. Dabei muss man nicht zwangsläufig Journalismus studieren, wenn man Journalist werden will.
Bei einem Journalistik-Studium kommt es aber stark darauf an wo man studiert. Man sollte sich gut informieren. Es gibt viele sehr gute Angebote, aber es gibt leider auch viele Studiengänge, die etwas an der Wirklichkeit vorbei gehen.

Wie meinen Sie das genau?

Viele Hochschulen versuchen aus den Studierenden eine eierlegende Wollmilchsau zu machen, die scheinbar alles kann und in Wirklichkeit nur oberflächlich ausgebildet wird. Wichtig ist bei einem Journalismus-Studium vor allem eine seriöse Basis: Wie arbeite ich mich gut in ein Thema ein, wie komme ich an seriöse Informationen, wie funktioniert tiefgreifende Recherche, wie verbessere ich meinen Sprache, wie muss die Dramaturgie für eine gute Geschichte sein, wie bereite ich eine Geschichte so auf, dass sie die Menschen fesselt? Solche Basics braucht jeder, der im Qualitätsjournalismus landen will, egal bei welchem Medium.

Ist ein Volontariat nach dem Studium überflüssig oder sinnvoll?

Das kommt sehr auf den Einzelfall an. Wir haben bei der Süddeutschen Zeitung sehr junge Kollegen, die während ihres Studiums ein Praktikum in unserer Redaktion machen und  bereits unheimlich gut qualifiziert sind. Manchmal kommen aber auch Leute mit fertigem Studium, die dringend noch praktische Erfahrung und Übung brauchen, am besten also ein Volontariat.  Das ist vom Einzelfall abhängig.

Wie hat sich das Arbeitsfeld des Journalismus in den letzten Jahren verändert?

Es ist eine Binsenweisheit, aber durch das Internet ist der Journalismus viel schneller und unübersichtlicher geworden. Das hat seine Vor-, aber auch seine Nachteile. Der Beruf des Journalisten hat sich dadurch zu einem 24 Stunden Job entwickelt. Früher wurde nach Redaktionsschluss kein Finger mehr gekrümmt, aber wenn heute um 23.00 Uhr etwas Wichtiges passiert, ist es  kurz darauf online. Man muss sehr flexibel sein. Wer also auf der Suche nach einem „nine to five“ Job ist, sollte sich das mit dem Journalismus nochmal genauer überlegen.

Sie sind ein etablierter Journalist, was raten Sie jungen Berufseinsteigern?

Zunächst einmal bin ich überzeugt, dass Qualitätsjournalismus eine Zukunft hat, unabhängig davon, ob der Vertriebsweg Papier, Rundfunk, Internet oder Fernsehen sein wird. Je komplizierter die Welt wird, desto dringender braucht es Journalisten, die kompetent auf- und erklären, einordnen, alle erdenklichen Facetten abbilden. Wer einsteigt, sollte seine Allgemeinbildung ständig verbessern, viel lesen, sich in seine Themen tief einarbeiten, für möglichst viel interessieren und immer up to date sein was Nachrichten angeht. Und vor allem gehört viel Neugier hinzu. Wer all das mitbringt und mit  voller Leidenschaft dabei ist, wird es auch weit bringen.

Wie sicher ist das Berufsfeld Journalismus? Muss man Angst haben?

Es ändert sich gerade wie nie zuvor. Aber Angst? Auf keinen Fall! Ich kann nur jedem raten, sich nicht von den Untergangspropheten verrückt machen zu lassen.

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