„Verfallt nicht ins Dumping!“

Ein Interview mit Medienmacher Manuel Lemke

Manuel Lemke, Produzent und Sprecher
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Manuel Lemke, Produzent und Sprecher für audiovisuelle Medien und Werbung

„Ich mache etwas mit Medien“, lächelt Manuel Lemke, Sprecher und Produzent für Werbung und audiovisuelle Medien, auf die Frage, was er von Beruf ist. Witzig, sympathisch und aufgeweckt ist der erste Eindruck von ihm nach wenigen ausgetauschten Sätzen. Sein Hauptaugenmerk ist die „Sprecherei“. Unter anderem produziert er interne Erklär-Filme – auch unter E-Learning bekannt – für Unternehmen, wie zum Beispiel erst kürzlich für einen Ingolstädter Autokonzern, in dem er den Mitarbeitern beispielsweise Lichtkonzepte erörtert. Seinen Weg ist der 34-jährige Lemke aus dem Großraum Stuttgart über Umwege gegangen, um dazustehen wo er jetzt steht.

HS Ansbach: Wie sieht dein Alltag aus?

Als Multimedia-Mensch bekommt man oft die irrsinnigsten Anfragen. Ich habe gelernt, dass man sich in dieser Branche, in der Medienlandschaft, besser zurecht findet, wenn man sich spezialisiert. Als Beispiel für eine Produktion: Ich habe einen Kunden, der einen Erklär- Film hat, aber selbst keine Ahnung von Tontechnik. Dem biete ich eben an, das von mir gesprochene, seine Sound-Effekte und die Musik, die er sich aussucht, komplett zu produzieren und Mastern. Ansonsten versuche ich mich aus anderen Bereichen rauszunehmen und empfehle dafür spezielle Fachleute, oder in mein Projekt mit einzubinden. Ich bin der Meinung, dass gezielte Fachkompetenz wirksamer ist, als „breit gestreute,s von allem irgendetwas, aber nichts richtig“.

Wie bist zu dem was du heute machst gekommen?

Zunächst wusste ich nach dem Abitur nicht was ich machen soll. Als erstes habe ich den Grundwehrdienst hinter mich gebracht.
Da ich auf dem Technischen Gymnasium war, wollte ich auf jeden Fall etwas in die Richtung studieren. Kurzer Hand habe ich mich an der technischen Fachhochschule für Fahrzeugtechnik beworben. Dafür war aber mein Abi zu schlecht und ging dann in den Maschinenbau. Ich habe sofort gemerkt, dass das nicht die Profession ist, die ich mein Leben lang machen möchte. In dieser Zeit habe ich zufällig ein Plakat von einem renommierten Stuttgarter Lokalsender gesehen und die passende Stellenausschreibung im Radio gehört. Da ich bis dato noch nicht wusste was ich machen sollte, dachte ich, bewerbe dich doch einfach mal. Radio ist ein „cooles“ Medium, um viele Menschen gleichzeitig zu erreichen und ihnen gleichzeitig einen positiven Impuls zu geben. Dort habe ich dann ein halbes Jahr ein Praktikum gemacht und im Anschluss ein zweijähriges Volontariat. Nach drei oder vier Monaten durfte ich sogar direkt auf Sendung gehen. Ich weiß bis heute nicht, ob mein ehemaliger Chef sehr verzweifelt war, oder ein gutes  Gespür für Talent. Ich hoffe letzteres.

Wie war deine Anfangszeit in der Medienwelt?

Als Anfänger, selbst wenn man denkt alles zu können, hat man noch so viel zu lernen. Ich war schnell an den Punkt gelangt, dass Nachrichten und Moderation nicht mein Ding waren. Also die Radiobranche ist meine absolute Leidenschaft, keine Frage. Aber Nachrichten haben mich deprimiert und Moderation im privaten Rundfunk muss einem schon richtig liegen, damit man es sehr gut macht. Und mein Anspruch ist es sehr gut zu sein in dem was ich mache. Deswegen dachte ich mir, vielleicht versuche ich es auf der anderen Seite des Mikrofons und habe dann Tontechnik studiert. Für kurze Zeit war ich das erste Mal selbstständig und Freiberuflich als Nachrichten-Sprecher tätig. Nach meinem Bachelor-Abschluss in „Recording-Arts“ am SAE Institut hatte ich das Glück bei meinem alten Arbeitgeber wieder anzufangen. Die Stelle als Produzent war frei und ich habe sie bekommen. So konnte ich wieder zurück in die Festanstellung, als Produzent eines bekannten Stuttgarter Lokalsenders. Bei dem Sender, in dem ich alle Grundlagen gelernt habe, von dem was ich heute kann.

Warum bist du selbstständig?

Diese Freiheit ist einfach verlockend. Klar ist es super als Angestellter, wenn du mal krank bist, bekommst du trotzdem dein Geld, wenn du Urlaub machst ebenso. Wenn du Glück hast bezahlt dir dein Chef noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Das sind klasse Vornehmlich- und Annehmlichkeiten. Auch sowas wie Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung. Als Angestellter hat man viele Sicherheiten. Natürlich kann ein Angestellter, wenn er Pech hat gekündigt werden oder sich verletzen. Dieses Risiko ist als Selbstständiger deutlich größer. Mich hat es trotzdem gereizt, weil ich das Gefühl hatte, durch die Selbstständigkeit mehr das wirklich ausleben zu können, was mich motiviert. Als Angestellter hast du immer das „Problem“ das zu machen, was dein Chef dir sagt, auch wenn du gar keine Lust darauf hast. Ich bin selbst mein Boss und da kannst höchstens auf dich selbst schimpfen. Klar mach ich auch Jobs die mir vielleicht nicht so Spaß machen, die aber trotzdem dementsprechend besser bezahlt sind. Ich sag immer, die gefühlte Bilanz muss stimmen. Das ist mein Leitspruch. Um es salopp zu sagen: Entweder Du machst einen Job der scheiße ist, der ist dann aber super bezahlt. Oder du machst einen der dir richtig Spaß macht und nimmst es in Kauf weniger dafür zu bekommen. Am Ende des Tages sollte man sich nicht ausgenutzt fühlen.

Was möchtest Du angehenden Studenten mit auf den Weg geben?

Verfallt nicht ins Dumping! Aus der Falle kommt ihr nicht mehr raus. Wenn man sich nur über den Preis definiert hat man häufig Kundschaft die ohnehin nicht  Wert auf Qualität legt, die abliefert. Und wird immer ein „Billigheimer“ bleiben. Wenn man zehn Jahre später noch mal ein Angebot machen muss, bekommt man zu hören. „Ja früher, hast du es viel billiger gemacht.“ Dann fehlt einem so ein bisschen die Argumentationsgrundlage. Sich schlau zu machen, über marktübliche Preise und die Wertschöpfung die man für den Kunden generiert. Sich daran zu orientieren ist meines Erachtens die erste Regel die man sich selbst aufstellen muss. Einfach nur die Konkurrenz zu unterbieten führt dazu, dass man nur noch arbeitet und nichts mehr verdient. Das wiederum führt zu Druck, man hat keinen Kopf mehr für Kreativität und dann wird man auch nicht mehr besser. Was man als Student machen sollte, mehr als alles andere, ist sich selbst mit seinen Mitstudenten und darüber hinaus ein Netzwerk aufzubauen, um sich gegenseitig aushelfen zu können. Nicht nur nach dem Motto, „wenn du mir hilfst, helfe ich dir auch“, sondern immer in Vorleistung gehen. Das honoriert derjenige auch irgendwann. Dieser Punkt kann später einem helfen erfolgreich zu werden.

Quellen:

Manuel Lemke, schalldose.de
Bildrechte vorhanden

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