Herausforderung Social Media: Qualität vs Quantität

Vertragen sich Katzenvideos und Journalismus? Die neue Herausforderung Social Media

Die neue Herausforderung Social Media: Sprungbrett oder Falltür für den klassischen Journalismus? Laut der Studie „Bewegtbild im Web“ des Bundesverbands Digitale Wirtschaft e. V. (BVDW) machten Videos allein im Jahr 2012 rund 60 Prozent der gesamten Internetnutzung aus. Die amerikanische News-Seite BuzzFeed – eine der am schnellsten wachsenden Websites im englischsprachigen Raum – hat das erkannt und gehandelt. Mit Überschreitung der Umsatzgrenze von 100 Mio. US-Dollar im letzen Jahr, hat sie mehr als Aufmerksamkeit erregt. Sie lässt Fragen offen. Fragen, die den modernen Journalismus und dessen Hinterherhinken des Online-Zeitalters am Kragen packt. Soll sich der Journalismus abgrenzen oder neue Welten erschließen? Weshalb sollten Zeitungen Social Media-fähige Videos produzieren?


Erfolgreiche Vermarktung durch (Katzen-)Videos

BuzzFeed ist ein 2006 gegründetes Medienunternehmen mit Sitz in New York und setzt auf Native Advertising und konsequente Bewegtbildvermarktung. Der dort praktizierte Journalismus stellt eine Mischung aus Blog, Nachrichtenticker und Online-Magazin dar. Bekannt wurde die Seite, die Inhalte auf hohe Teilbarkeit für Social Networks ausrichtet, mit sogenannten „Listicles“ – Listen mit animierten GIFs und natürlich sehr vielen Katzenvideos. Seit der Anstellung von Ben Smith als Chefredakteur im Jahr 2012 wurden Redaktion und Inhalte kontinuierlich ausgebaut. Heute deckt BuzzFeed ein breites Themenspektrum ab und positioniert sich immer stärker gegen die klassischen Zeitungsportale im Internet.

Die Liebe zu Videos

Jede Minute werden 100 Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen, die zweit beliebteste Suchmaschine hinter Google – zumindest in Deutschland. Und jeden Tag entdecken die Nutzer neue bewegte Bilder, mit oder ohne Vierbeiner.

Wenn Videos so viral gehen, warum dann auch nicht journalistische Texte?

Anzahl der bei YouTube aufgerufenen Videos pro Tag in Milliarden (von 2009 bis 2013)

 

Finden, sehen und gesehen werden

Videos – und gerade YouTube-Videos – werden in den „normalen“ Google-Suchergebnissen angezeigt, nicht nur in der Video-Suche. Ende letzten Jahres lag der Anteil der Video-Integrationen in der Universal Search mit 62 Prozent deutlich vor der Integration der Bildersuche (32 Prozent). Taucht ein Video in der Universal Search bei Google auf, wird das Snippet (der kurze Text, der auf der Google-Ergebnisliste angezeigt wird) verknüpft mit einem Vorschaubild des Videos. Durch die Psychologie ist bekannt, Bilder springen den User als erstes ins Auge; und Augenmerk ergeben Klicks. Auch in den sozialen Medien ist Bewegtbild ein Eyecatcher und wird gerne geteilt. Gut gemachte, extrem relevante oder unterhaltsame Videos haben umso mehr die Chance Aufmerksamkeit zu erregen. Warum sollte der Journalismus also nicht auf diesen Zug aufspringen?

Herausforderung Social Media: Ernsthafter Journalismus oder „Gerüchte-Futter“ ?

BuzzFeed arbeitet zunehmend mit investigativen Journalisten zusammen, die exklusive Geschichten recherchieren sollen. Vor allem auf dem englischsprachigen Markt präsentiert das Unternehmen inzwischen auch harte News. Dort macht die Website klassischen Nachrichtenanbietern Konkurrenz. Ex-Mitarbeiter des britischen Guardian etwa, bauen seit Kurzem das Nachrichtengeschäft von BuzzFeed UK auf.
Inzwischen gibt es auch in Deutschland einige Nachahmer. Mit seinem lockeren und schnell verdaubaren Konzept lockt BuzzFeed besonders  junge Leuten, die sich mit ihrem Smartphone überwiegend in sozialen Netzwerken informieren. Diese Zielgruppe hätten die klassischen Zeitungshäuser auch gern. Seit Juli experimentiert die Zeit mit ihrem Jugendportal ze.tt. Selbst der Springerverlag baut sich ein eigenes BuzzFeed.

BuzzFeed US setzt auf Videos aber durchaus auch auf journalistische Texte

BuzzFeed Amerika: Neben bewährten Videoinhalten und Trends werden auch aktuelle Nachrichten angeboten

Dennoch ist die Skepsis groß angesichts dieses „Häppchen-Journalismus“. Sogar im Netz wird die Sorge laut, anspruchsvolle Inhalte könnten durch die BuzzFeed-Strategie verdrängt werden.
Bleibt also die Hauptfrage der Herausforderung Social Media: Journalismus versus Klicks im Netz. Wie weit wird die klassische Nachrichtenvermittlung kampflos ein Medien-Dinosaurier oder passt sich der „ersthafte Journalismus“ an, um nicht unter zu gehen?

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